Einmal im Jahr…

Nur einmal im Jahr werde ich an ihn erinnert.

Den Samenspender meiner Tochter, wie ich ihn liebevoll nenne. Denn erst ist nicht mehr und nicht weniger. Man könnte meinen, ich sollte jedes Mal an ihn erinnert werden, wenn ich meine Tochter ansehe. Doch dem ich nicht so.

Ich  denke nie an ihn.

Außer dieses eine Mal im Jahr. Immer ein paar Tage vor ihrem Geburtstag und ich denke mir: Wieder ein Jahr rum, in dem er sich einen scheißdreck für sie interessiert hat.

Bald ist neun Jahre her. Neun Jahre in denen er sich von sich aus nicht einmal gemeldet hat. Auf einer Seite kann ich ihn ja verstehen. Er wollte sie nicht. Das mit uns war keine Liebe.

Das mit uns, war nichts weiter, als Sex. Das war mir klar – und das war ihm klar. Ein Kind hat da nichts zu suchen gehabt. Jeder machte das wonach ihm war. Keine Verpflichtungen. Aber ein Kind bringt nunmal Verpflichtungen mit.

Ich erinner mich noch an seine Reaktion, als ich sagte ich bin schwanger.

Was muss ich dir zahlen, damit du das Kind nicht bekommst?

Hääää?? Du willst mich jetzt verarschen oder? Das war jetzt keine ernstgemeinte Frage??

Oh doch, er hatte sie ernst gemeint. Für wen hat er mich gehalten? Das ich mein Kind für ein wenig Kohle nicht bekommen werde? Da hat er sich getäuscht. Selbst ohne dieses beschissene Angebot, hätte er mich nicht überzeugen können, sie nicht zu bekommen.

In der Zeit, die sie nun schon da ist, habe ich zu Anfang versucht, dass er sie sehen will. Ich fragte, er sagte ja. Neun Jahre und pi mal Daumen vier mal gesehen. Irgendwann sagte ich ihm : WennDu wirklich interesse an ihr hast, melde dich. Ich bin die Letzte die dir das verbieten wird. Aber ich habe keine Lust ständig zu fragen ob du das Ergebnis deines Samens sehen willst, denn deine Tochter ist sie nicht. Damit sie deine Tochter wäre, müsstest du erstmal für sie da sein.

Jedes Jahr schickt er mir einen Tag nach ihrem Geburtstag eine SMS: Der Kleinen alles liebe zum Geburtstag. Und jedes Jahr bekommt er die gleiche Antwort: Die Kleine hat einen Namen und ihr Geburtstag war Gestern.

Und dann war es das auch schon wieder. Bis zum nächsten Jahr.

Anfangs, als sie noch ganz klein war, habe ich mir gewünscht, dass er interesse zeigt. Sie war nicht geplant. Sie ist kein Kind der Liebe, wie man ja so schön sagt. Aber ich liebe sie. Und ich frage mich, wie man leben kann, wenn man weiß: Ich habe ein Kind, das nichts von mir weiß.

Und wenn es nach mir ginge würde sie niemals von ihm erfahren. Denn sie hat ihren Papa. Der vom Tag ihrer Geburt an immer für sie da war. Auch wenn es icht ihr leiblicher Papa ist, er wird immer mehr Papa sein, als der Samenspender es jemals zu hoffen mag.

Ich weiß irgendwann kommt der Tag an dem ich meiner kleinen Hexen sagen werde, wie es ist. Ich werde die unschönen Dinge natürlich weglassen, denn sie soll sich ihre eigene Meinung bilden. Ich werde ihr nicht im Weg stehen, wenn sie ihren Samenspender kennenlernen will.

Alles was ich hoffe ist: Dass er sich ihr gegenüber Fair verhält. Denn sie ist die Letzte die irgendetwas dafür kann, dass wir vormehr als neun Jahren einen „Fehler“ gemacht haben.

Den er heute noch als Fehler ansieht. Ich für meinen Teil, bin froh das ich sie habe. Und ich für sie für nichts in der Welt wieder hergeben.

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